
Digitale Identität klingt im ersten Moment groß und vielleicht auch etwas abstrakt. In der Praxis ist sie aber deutlich greifbarer, als der Begriff vermuten lässt. Denn am Ende geht es nicht darum, irgendein digitales Profil zu besitzen. Es geht darum, mit Hilfe der digitalen Identität in einem konkreten Prozess verlässlich nachweisen zu können, wer jemand ist, in welchem Zusammenhang eine Person oder Organisation handelt und wozu sie berechtigt ist.
Was genau eine digitale Identität ist
Im Unternehmenskontext ist eine digitale Identität nicht einfach nur ein Login. Gemeint ist damit das digitale Gesamtbild einer Person oder Organisation: also die Informationen und Nachweise, mit denen sich verlässlich zeigen lässt, wer jemand ist und was er oder sie tun darf. Sie ist damit die digitale Antwort auf die Frage: Woran erkennt mein Gegenüber zuverlässig, wer ich bin oder wozu ich berechtigt bin?
Das kann ganz unterschiedlich aussehen. Eine Person kann zum Beispiel nachweisen, dass sie zu einem bestimmten Unternehmen gehört, dort eine bestimmte Rolle hat oder berechtigt ist, einen Prozess auszulösen, ein Dokument freizugeben oder einen Antrag zu unterschreiben. Eine digitale Identität besteht also nicht aus einem einzelnen Eintrag, sondern aus mehreren Informationen und bestätigten Eigenschaften, die zusammen ein stimmiges Bild ergeben.
Genau deshalb ist sie mehr als nur ein Zugang zu einem System. Denn in vielen Prozessen reicht es nicht aus, dass sich jemand irgendwo einloggen kann. Wichtig ist, dass sich bestimmte Angaben auch verlässlich belegen lassen, etwa die Identität selbst, eine Rolle im Unternehmen oder eine konkrete Berechtigung.
Warum die digitale Identität ohne Nachweise nicht auskommt
Damit die digitale Identität in der Praxis funktioniert, muss sie sich konkret nachweisen und im richtigen Moment einsetzen lassen. Genau hier kommen digitale Nachweise ins Spiel. Sie machen Informationen über Personen oder Unternehmen nutzbar, überprüfbar und gezielt weitergebbar. Dazu gehören zum Beispiel Identitätsdaten, Rollen, Vertretungsberechtigungen oder andere relevante Eigenschaften.
Erst durch solche Nachweise wird digitale Identität im Alltag wirklich brauchbar. Denn in der Praxis will kaum jemand nur hören, dass eine Information irgendwo hinterlegt ist. Entscheidend ist, dass sie in einem konkreten Moment vorgelegt und geprüft werden kann.
Genau an dieser Stelle kommen digitale Wallets ins Spiel. Sie sind dafür gedacht, solche Nachweise nicht nur zu speichern, sondern auch gezielt nutzbar zu machen. Das bedeutet: Nachweise können empfangen, verwaltet, vorgelegt und geprüft werden, wenn sie in einem bestimmten Prozess gebraucht werden.
Im europäischen Rahmen ist in diesem Zusammenhang auch von elektronischen Nachweisen über Merkmale die Rede, also von Attributen, die sich authentifizieren lassen.
Das klingt zunächst technisch, ist im Alltag aber ziemlich einfach. Statt PDFs hin und her zu schicken, Screenshots zu speichern oder Daten manuell zu übertragen, wird genau der Nachweis genutzt, der in diesem Moment gebraucht wird.
Wie Wallets digitale Nachweise nutzbar machen
Grundsätzlich lassen sich zwei Arten von Wallets unterscheiden: die European Digital Identity Wallet, kurz EUDI-Wallet, und die EUBW, also die European Business Wallet. Die EUDI-Wallet soll von den Mitgliedstaaten bis Ende 2026 für Bürger:innen, Einwohner:innen und Unternehmen bereitgestellt werden. Ihre Inhalte werden europaweit anerkannt. Business Wallets sind dagegen stärker auf Unternehmensdaten, Organisationsnachweise und B2B-Prozesse ausgerichtet.
Mehr zu dem Einsatz von digitalen Wallets im B2B-Umfeld haben wir in einem eigenen Blogbeitrag zusammengefasst. Für das grundlegende Zusammenspiel von Identität, Nachweisen und Wallets hilft die folgende Grafik:

So funktioniert die digitale Identität in der Praxis
Wie dieses Zusammenspiel konkret aussieht, zeigt sich am besten am Weg eines digitalen Nachweises in einer Wallet. In der Praxis läuft dieser meist in vier Schritten ab.
1. Ein Nachweis wird ausgestellt
Am Anfang steht immer eine Stelle, die etwas bestätigen kann. Das kann zum Beispiel ein Unternehmen sein, eine Behörde, eine Bildungseinrichtung oder ein qualifizierter Vertrauensdiensteanbieter. Diese Stelle bestätigt nicht alles über eine Person, sondern ganz gezielt einen bestimmten Sachverhalt. Zum Beispiel: Diese Person ist Mitarbeitende. Diese Person hat eine bestimmte Schulung abgeschlossen. Diese Person hat eine bestimmte Rolle. Oder: Diese Organisation gehört tatsächlich zu diesem Unternehmen.
Hier zeigt sich bereits ein wichtiger Unterschied zwischen allgemeinen Informationen und digitaler Identität. Nicht alles muss auf einmal offengelegt werden. Es geht vielmehr darum, den passenden Nachweis für den passenden Moment bereitzustellen.
2. Der Nachweis landet in der Wallet
Danach wird der Nachweis in der Wallet gespeichert. Dort liegt er nicht einfach lose herum wie ein Dateianhang im Postfach, sondern als gezielt nutzbares Element, das in späteren Prozessen wieder vorgelegt werden kann.
Genau das macht den Unterschied: Eine Wallet speichert Nachweise nicht nur, sondern hält sie so bereit, dass sie im richtigen Kontext erneut eingesetzt werden können.
3. Der Nachweis wird vorgezeigt
Spannend wird es in dem Moment, in dem die digitale Identität im Prozess tatsächlich gebraucht wird. Ein Beispiel: Jemand möchte in einem digitalen Ablauf nachweisen, dass er zu einer bestimmten Organisation gehört oder für einen bestimmten Schritt berechtigt ist. Dann muss nicht das komplette Profil offengelegt werden. Stattdessen wird genau der Nachweis vorgelegt, der in diesem Moment relevant ist.
Auch die EU beschreibt die Wallet im Kern in diesem Sinn: als Möglichkeit, sich digital auszuweisen, wichtige Unterlagen zu speichern und Daten sicher zu teilen, ohne dabei mehr preiszugeben als nötig. Mehr dazu findet ihr in diesem Artikel.
4. Der Nachweis wird geprüft
Auf der anderen Seite steht immer eine Stelle, die den Nachweis bewerten muss, also zum Beispiel ein System, ein Portal oder ein Unternehmen. Dort reicht es nicht, dass etwas formal richtig aussieht. Es muss prüfbar sein.
Entscheidend ist deshalb nicht nur, dass ein Nachweis vorgezeigt wird, sondern dass sich auch technisch prüfen lässt, ob er echt ist. Dafür muss nachvollziehbar sein, von wem er ausgestellt wurde, ob er seit der Ausstellung unverändert ist und ob er im konkreten Zusammenhang noch gültig ist. Erst dieses Zusammenspiel aus Ausgabe, Speicherung, Vorlage und Prüfung macht digitale Nachweise in Wallets im Alltag wirklich belastbar.

Ist eine digitale Identität wirklich vertrauenswürdig?
Gerade weil viele Menschen digitalen Identitäten zunächst mit Skepsis begegnen, ist die Frage nach ihrer Vertrauenswürdigkeit so wichtig. Zweifel entstehen oft dann, wenn unklar ist, woher Informationen stammen, ob sie verändert werden konnten oder ob man ihnen überhaupt glauben kann.
Genau an diesem Punkt zeigt sich, worauf es bei digitaler Identität wirklich ankommt. Vertrauen entsteht nicht allein dadurch, dass Informationen digital vorliegen. Entscheidend ist vielmehr, ob die zugrunde liegenden Nachweise verlässlich geprüft werden können. Es muss nachvollziehbar sein, wer sie ausgestellt hat, ob sie unverändert sind und ob sie im jeweiligen Kontext gelten. Erst diese Prüfbarkeit macht aus einer digitalen Angabe eine belastbare digitale Identität.
Fazit
Digitale Identität wird vor allem dann greifbar, wenn sie in konkreten Prozessen genutzt werden kann. Genau das ermöglichen digitale Nachweise in einer Wallet. Sie machen Informationen nicht nur digital verfügbar, sondern auch gezielt einsetzbar, prüfbar und im richtigen Moment vorlegbar.
Entscheidend ist dabei, dass nicht einfach nur Daten gespeichert werden, sondern dass sich Herkunft, Unverändertheit und Gültigkeit eines Nachweises verlässlich überprüfen lassen. Erst dadurch wird aus einer digitalen Angabe eine belastbare digitale Identität.
Wallets schaffen dafür den passenden Rahmen. Sie helfen dabei, Nachweise sicher zu speichern, gezielt weiterzugeben und im jeweiligen Kontext nutzbar zu machen. Genau darin liegt ihr praktischer Mehrwert: Digitale Identität wird nicht nur verwaltet, sondern im Alltag tatsächlich einsetzbar.
Als qualifizierter Vertrauensdiensteanbieter können wir bei SIGN8 solche digitalen Nachweise ausstellen und Unternehmen darüber hinaus beim Aufbau von Business Wallets unterstützen. Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, wie sich digitale Nachweise, Vertrauensdienste und Wallets in der Praxis zusammendenken lassen, tauschen wir uns dazu gerne in einem persönlichen Termin mit dir aus.
FAQ: Digitale Identität
Was ist eine digitale Identität?
Eine digitale Identität umfasst Informationen und Nachweise, mit denen sich verlässlich zeigen lässt, wer eine Person oder Organisation ist und wozu sie berechtigt ist.
Was sind digitale Nachweise?
Digitale Nachweise sind bestätigte Informationen, zum Beispiel zu Identität, Rolle, Qualifikation oder Vertretungsberechtigung. Sie machen digitale Identität in Prozessen nutzbar.
Was macht eine digitale Wallet?
Eine digitale Wallet speichert Nachweise und ermöglicht es, sie bei Bedarf gezielt weiterzugeben und prüfen zu lassen.
Wie funktioniert ein Nachweis in einer Wallet?
Ein Nachweis wird ausgestellt, in der Wallet gespeichert, im passenden Moment vorgelegt und anschließend geprüft.
Woran erkennt man, ob ein digitaler Nachweis echt ist?
Entscheidend ist, ob sich prüfen lässt, wer den Nachweis ausgestellt hat, ob er unverändert ist und ob er im jeweiligen Kontext gültig ist.